Stressvermeidung am Arbeitsplatz

Kaum ein Bereich ist heute so stressträchtig wie der Arbeitsplatz. Auch hier gilt, dass es nicht die körperliche Tätigkeit ist, die den krankmachenden Dis-Stress verursacht, sondern Zeitdruck, gleichförmige und unpersönliche Arbeit, fehlende Kommunikation, Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern, Vorgesetzten usw. Eine befriedigende Arbeit, deren Tempo man selbst bestimmen kann, deren Ergebnis einen mit Befriedigung und Stolz erfüllt, ist heutzutage kaum mehr möglich. Viele Menschen sind nur noch mit irgendwelchen Teilprozessen in der Produktion oder im Handel beschäftigt, fühlen sich nur als ein kleines Rädchen in einem großen Getriebe, das ihnen unüberschaubar bleibt. Der Sinn der Arbeit kann nicht mehr erfasst werden, stattdessen erfährt man nur Zeitdruck und äußere Zwänge.

Dies führt zwangsläufig zu stressauslösenden Situationen. Umso notwendiger ist es, vermeidbaren Stress auch wirklich zu vermeiden und die Freude an der Arbeit, die möglich ist, auch zu genießen.

Der Arbeitsplatz

Wenn wir nicht gerade in kalten Großraumbüros oder großen Fabrikhallen arbeiten müssen, sondern noch kleine überschaubare Arbeitsräume und Arbeitsplätze unser eigen nennen können, dürfen wir uns glücklich schätzen.

Diesen Arbeitsplatz kann man vielfach relativ behaglich und auch persönlich einrichten, so dass er einem weniger fremd und abstoßend erscheint. Dazu gehören nicht nur ein zweckmäßiges Mobiliar und Arbeitsgerät, sondern noch manche kleine Dinge, die uns die tägliche Umwelt verschönern helfen: eine Zimmerpflanze, deren Grün uns wohltut und deren Pflege uns Freude macht, ein Bild an der Wand, ein Foto der Familienangehörigen oder sonstiger lieber Menschen auf dem Schreibtisch.

Wenn noch Platz für einen bequemen Stuhl oder ein kleines Tischchen ist, an dem wir während der Pausen entspannen und frühstücken können, ist es um so besser, denn die Arbeitspausen in großen, lauten und verrauchten Kantinen sind meist nicht gerade sehr erholsam.

Der Arbeitsplatz selbst sollte den körperlichen Bedürfnissen entgegenkommen. Die Schreibtischhöhe muss körpergerecht sein, die Schreibtischstühle ebenso, damit Verkrampfungen und Verspannungen infolge falscher Sitzhaltung vermieden werden. Auf eine gute, augenschonende Beleuchtung ist zu achten. Eine vernünftige Organisation und Ordnung am Arbeitsplatz vermeiden zeitaufwendiges und stressförderndes Suchen. Funktionierende Arbeitsgeräte ersparen Ärger. So ist es im Betrieb durchaus auch im Sinne der Unternehmer, wenn sie nicht an Mitteln sparen, die den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern. Weniger Ärger, weniger körperliche Unannehmlichkeiten führen auch zu weniger Krankheiten und zu besseren Arbeitsleistungen.

Ein Beispiel für eine Betriebsorganisation, in der nicht der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern die Organisation selbst, ist die feste Zeiteinteilung in Großbetrieben, von Fabriken bis hin zu Schulen. Auf ein Klingelzeichen hin muss die Arbeit unterbrochen werden, egal, ob dies gerade an einer sinnvollen Stelle geschieht oder nicht. Auf ein weiteres Klingelzeichen hin wird sie wieder aufgenommen, ob man sich nun ausgeruht fühlt oder nicht. Anfang und Ende des Arbeitstages werden wiederum durch Signale bezeichnet und oft noch durch Maschinen überwacht. Glücklich, wer sich seine Arbeitspausen noch nach den Bedürfnissen seines Körpers oder dem Rhythmus des Arbeitsvorganges einteilen kann. Eine Pause ist dann sinnvoll, wenn der Körper Ermüdungserscheinungen zeigt oder wenn ein Abschnitt einer längeren Tätigkeit beendet oder ein Vorgang abgeschlossen ist.

Wer jetzt einwendet, dass zu wenig gearbeitet würde, wenn jeder die Pause nach seinen Bedürfnissen einteilt, beachtet nicht, dass gerade nach rechtzeitig erfolgten Pausen die Arbeit konzentrierter und schneller vorangeht, als wenn man bereits übermüdet in die Pause geht und Rücken und Augen schmerzen. Eine nach diesen Überlegungen eingeteilte Arbeitsorganisation könnte viel Stress und gesundheitliche Schäden vermeiden.

Leider haben dies zwar die meisten Arbeitswissenschaftler eingesehen, aber nur ein kleiner Teil der Unternehmer.
Stressfördernd ist auch eine körperlich und geistig völlig eintönige Arbeit. Sind solche Arbeiten zu verrichten, muss man sich Abwechslung verschaffen. Wer über Stunden hinweg an einer Maschine sitzt, sollte öfter aufstehen, sich rekken und strecken. Dabei sollte kräftig durchgeatmet werden, damit der Körper wieder mit Sauerstoff versorgt wird.
Nach einer gewissen Zeit sind zusätzlich auch gymnastische Übungen zu empfehlen. Ist der Arbeitsraum dafür zu klein, so raten wir Ihnen zu „isometrischen Übungen".

Isometrische Übungen

Isometrische Übungen fördern die Muskelkraft, die Beweglichkeit, die Durchblutung und helfen beim Entspannen des ganzen Körpers. Im Gegensatz zur herkömmlichen Gymnastik werden hierbei weniger Bewegungen ausgeführt, sondern die Muskeln auf statische Weise angespannt und entspannt. Wir können hier nur ein paar Beispiele zeigen, aber Siewerden sicher bald selbst neue Möglichkeiten der Muskelan- und -entspannung finden. Solche Übungen werden zuweilen auch im Radio vorgestellt.

a) Sie sitzen aufrecht auf einem Stuhl und fassen mit beiden Händen unter die Sitzfläche des Stuhles. Nun versuchen Sie, etwa drei Sekunden lang die Sitzfläche gegen den Druck Ihres ganzen Körpers scheinbar nach oben zu ziehen. Die Armmuskeln und auch die unteren Rumpfmuskeln werden angespannt. Nach drei Sekunden lassen Sie los, machen wiederum drei Sekunden Pause und führen diese Übung noch drei - bis viermal durch.

b) Sie stellen sich aufrecht in einer Armlänge Entfernung vor eine Wand. Nun drücken Sie mit gestreckten Armen gegen die Wand, als ob Sie die Wand nach außen schieben wollten. Nach drei Sekunden lassen Sie die Arme los und wiederholen die Übung noch zweimal.

c) Sie verschränken die Hände im Sitzen oder Stehen hinter dem Nacken und drücken nun drei Sekunden mit den Händen gegen den Nacken bzw. mit dem Nacken gegen die Hände. Auch bei dieser Übung wird Anspannung und Entspannung etwa drei - bis fünfmal wiederholt.

Aus den Beispielen haben Sie ersehen können, dass es stets darauf ankommt, bestimmte Muskeln anzuspannen, indem gegen einen Widerstand Kraft ausgeübt wird. Das Zusammenwirken von Anspannung und Entspannung sorgt für den körperlichen Ausgleich. Natürlich können diese Übungen nicht die stressabbauende Bewegung ersetzen, doch sind sie unter den eingeschränkten Bedingungen am Arbeitsplatz eine nützliche Hilfe dabei.

Ernährung am Arbeitsplatz

Was hier über das gesunde Frühstück schon beschrieben wurde, soll auch für die Wahl der Verpflegung am Arbeitsplatz gelten. Leider haben viele Kantinen, Cafeterien und innerstädtischen Imbissbuden auf die Erkenntnisse über moderne gesunde Ernährung keinerlei Rücksicht genommen. Nicht nur Kostengründe sind dafür der Grund, sondern auch mangelnde Nachfrage, denn bis jetzt weiß nur eine Minderheit unserer Bevölkerung über die Grundlagen vollwertiger Nahrung Bescheid.

Den Betriebskantinen müssten die Angestellten zu erkennen geben, dass sie bereit wären, ein paar Pfennige mehr zu zahlen, wenn ihnen dafür eine vollwertige Nahrung angeboten würde.

Dass dies möglich ist, beweisen schon eine Reihe von Kantinen, wo zumindest ein Auswahlessen nach den Grundsätzen der Vollwertkost zusammengestellt wird. Auf jeden Fall sollten wenigstens Rohkostgerichte, Quark- und Joghurtspeisen sowie Salate angeboten werden, die mit wenig Salz und Essig, dafür aber mit naturbelassenem Öl angemacht sind.

Sind solche Voraussetzungen in Ihrem Betrieb nicht gegeben, sollten Sie sich selbst vollwertige Speisen mit an den Arbeitsplatz nehmen. Frischkornmüsli, Quarkspeisen, Joghurts, Obst und die diversen Vollkornbackwaren lassen sich in einem geeigneten Behälter ebenso gut zur Arbeit transportieren wie die herkömmlichen, mit fetter Wurst belegten Stullen. Frisch angemachte Salate eignen sich für die Mittagspausen am Arbeitsplatz ebenso wie Gemüse-Aufstriche aller Art. Wenn Sie skeptisch sind: Haben Sie es schon einmal mit einem Aufstrich aus der Avocado versucht oder mit kaltem Linsenpüree oder einem Püree aus Kichererbsen und Tahini (Sesammus), um nur einige leichte und leicht einzunehmende Speisen zu nennen?