Sind schon bei der Behandlung vieler Infektionskrankheiten chemische Präparate nicht nur wenig nutzbringend und bedenklich, so müssen sie uns umso überflüssiger und gefährlicher bei den Krankheiten erscheinen, die in erster Linie durch psychische Belastung und falsche Lebensweise entstanden sind. Was soll all die Chemie gegen Anspannung, Erschöpfung, Schlaflosigkeit oder banale „Erkältungen" nutzen, wenn man weiterhin ungesund lebt, nichts gegen den Dis-Stress tut, der Körper und Seele schädigt und die Abwehrkräfte schwächt, und damit nichts gegen die Ursachen dieser Krankheiten unternimmt? Hier sind nur hochwirksame und doch völlig unschädliche Heilmittel und Heilmethoden aus der Naturheilkunde zu empfehlen.
So werden wir Ihnen hier keine Mittel aus den Giftküchen der pharmazeutischen Industrie empfehlen, und wir möchten Sie außerdem bitten, Ihren Arzt keinesfalls auf Verschreibung solcher Mittel zu drängen. Vielfach sind es nämlich tatsächlich die Patienten, die aus Unkenntnis auf solchen Präparaten bestehen und damit nicht nur die Kostenexplosion im Gesundheitswesen vorantreiben, sondern auch noch ihrer Gesundheit schaden. Vielerorts wird gerade der Arzt bevorzugt, der, ohne auf die angespannte Finanzlage der Krankenkassen und die Gesundheit seiner Patienten zu achten, viel und bedenkenlos zum Rezeptblock greift. Es sollte eher umgekehrt sein. Ein Arzt, der nicht gleich ein teures Mittel aufschreibt, sondern sich Zeit nimmt, mit dem Patienten über die Ursachen seiner Beschwerden spricht und ihm das Gefühl vermittelt, ihn und seine Leiden zu verstehen, ist allemal der bessere Arzt. Besonders, wenn er darüber hinaus noch Kenntnisse über die vielfältigen Heilkräfte der Natur besitzt.
Neben natürlichen Heilmitteln, die aus Kräutern und anderen Pflanzen gewonnen werden, bietet sich auch eine Reihe von Entspannungstechniken zum Stress-Abbau an.
Die wunderbare Wirkung von Kräutern und Kräutertees
„Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen", schrieb sinngemäß vor mehr als 400 Jahren der große Arzt und Naturforscher Paracelsus. Nach dieser Erkenntnis heilen seit alters her viele Menschen mit Kräutern und beugen mit Heilpflanzen Krankheiten und Beschwerden vor.
Im wissenschafts- und technikgläubigen 19. und 20. Jahrhundert wurde der Erfahrungsschatz von Generationen von Heilkundigen als Humbug und Aberglaube verworfen. Die Chemie gab vor, die Natur in allem übertreffen zu können und bessere Heilmittel als sie zu haben. Die pharmazeutische Industrie gewann mit teuren Werbekampagnen das Vertrauen der Schulmedizin und allzu technikgläubig ausgebildeter Ärzte. Die Kenntnis der Volksmedizin schwand damit immer mehr.
Erst seit wenigen Jahren beginnt man sich wieder mehr auf die lebens- und gesundheitsspendenden Kräfte natürlicher Heilmittel, besonders auch der Heilpflanzen, zu besinnen. Es gibt eine Reihe von Kräutern, die in der Lage sind, einen durch Stress aus dem Gleichgewicht geratenen Körper zu stützen. Darüber hinaus helfen manche Kräuter, die bereits eingetretenen Folgeschäden des Stresses zu beseitigen. Natürlich setzt die Heilung auch immer voraus, dass man bereit ist, die Lebensumstände, die den Stress herbeigeführt haben, zu ändern und sich auf sich selbst zu besinnen. Ein Kräutertee etwa, den man in Eile auf dem Weg schnell hinunterstürzt, die Gedanken schon bei den nächsten Geschäften, wird sicherlich nichts nützen.
Zu den Heilkräutern, die allgemein beruhigend und umstimmend auf den Körper wirken und dazu beitragen, dass er wieder mehr zur Ruhe und inneren Harmonie kommt, zählen beispielsweise Baldrian, Hopfen, Melisse und Kamille. Beruhigende Wirkung besitzen auch Lavendel, Anis, Fenchel, Schlüsselblume, Klatschmohn und Johanniskraut. Diese Pflanzen werden manchen Beruhigungstees zugemischt.
Teemischungen gegen Stressfolgen
a) Man vermengt 2 Teile Hopfenzapfen, Melissenblätter und Kamillenblüten mit einem Teil Tausendgüldenkraut. Zwei Teelöffel dieser Mischung überbrüht man mit einer Tasse heißem Wasser. Dieser Tee hilft vor allem bei stressbedingten Magenschmerzen.
b) Man mischt zu gleichen Teilen Hopfenblüten und Baldrianwurzeln. Von dieser Mischung wird ein Teelöffel mit einer Tasse kaltem Wasser angesetzt und einige Stunden ziehen gelassen. Vor dem Trinken erwärmt man den Tee und trinkt schluckweise.
c) Gleiche Teile Baldrianwurzel, Kamillenblüten, Fenchelsamen und Lavendelblüten mischen. Von der Mischung gibt man zwei Teelöffel auf eine Tasse kaltes Wasser und lässt sie einige Stunden ziehen. Zum Trinken erwärmen, aber nicht kochen.
d) Man vermengt 3 Teelöffel Schlüsselblumen, 2 Teelöffel Lavendelblüten, 1 Teelöffel Hopfenzapfen, 1 Teelöffel Johanniskraut und 1 Teelöffel Baldrian. Von dieser Mischung werden ein bis zwei Teelöffel mit einer Tasse heißem Wasser aufgegossen und einige Minute ziehen gelassen. Den Tee kann man mit Honig süßen. Vor dem Schlafengehen lauwarm getrunken, stellt er einen ausgezeichneten Schlaftee dar, der aber nicht auf Dauer genossen werden sollte.
e) Schlaftee nach Maurice Messegue: Zwei zerriebene Kamillenblüten, ein paar Lindenblüten, einige Melissenblätter, Oregano und Salbei werden mit einer Tasse kochendem Wasser Übergossen. Den Absud lässt man fünf Minuten ziehen und trinkt ihn etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen.
Die Spezial-Honigkur gegen Nervosität und Streß
Der Honig zählt zu den vielseitigsten Heilmitteln überhaupt. Er wirkt als Vorbeugungsmittel gegen Infektionskrankheiten und als Mittel gegen Wunden aller Art, da er viele antibakterielle Wirkstoffe enthält. Vor allem wirkt Honig in hohem Maße beruhigend, nervenstärkend und wegen seines hohen Vitamin- und Nährstoffgehalts gesundheitsfördernd für den ganzen Körper.
Aus diesem Grund ist der Honig auch bestens dazu geeignet, bei der Vorbeugung und der Behandlung von Stressfolgen eingesetzt zu werden. Wir würden Ihnen, wenn Sie sich müde und abgeschlafft fühlen, unbedingt zu einer „Honigkur" raten. Mit dieser Kur bekommen Sie wieder Kraft und darüber hinaus auch noch einen erhöhten Schutz gegen Infektionskrankheiten .
Bei der Honigkur trinken Sie zunächst täglich eine halbe Tasse Kräutertee jeweils eine Stunde vor dem Frühstück, dem Mittagessen und dem Abendessen. Diesem Tee fügen Sie eine ständig sich steigernde Menge Honig hinzu.
In der ersten Woche begnügen Sie sich mit einem halben Teelöffel, in der zweiten Woche steigern Sie sich auf einen Teelöffel, in der dritten Woche sind es anderthalb Teelöffel, in der vierten Woche sind Sie bei zwei Teelöffeln angelangt. Diese Menge behalten Sie nun vier Wochen lang bei, bis Sie dann wieder Woche für Woche die Honigmenge um einen halben Teelöffel reduzieren. Nach 10 Wochen ist die Honigkur zu Ende. Während der Kur sollten Sie möglichst Alkohol, Kaffee, Nikotin und andere Gifte meiden.
Es ist zu beachten, dass Honig den Getränken erst beigegeben werden darf, wenn diese schon bis etwa 40 Grad C abgekühlt sind. Bei höheren Temperaturen werden nämlich die Wirkstoffe des Honigs zerstört. Natürlich können Sie auch alle der oben angegebenen Kräutertees mit Honig süßen, was die Wirkung in der Regel verstärkt.
Autogenes Training
Das autogene Training ist eine seit langem erprobte Technik der konzentrativen Selbstentspannung. Sie ist relativ leicht zu erlernen und kann ohne Hilfsmittel nahezu überall durchgeführt werden, wo man sich in Ruhe zurückziehen kann.
Viele Ärzte, Heilpraktiker und Psychologen führen Grundlehrgänge durch; selbst in Volkshochschulen oder anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung werden Kurse angeboten. Wir würden Ihnen davon abraten, diese Technik allein anhand von Büchern zu lernen, weshalb wir Ihnen auch hier keine Anweisungen mitgeben. Denn ein falsches Erlernen, wie es ohne Kontrolle durch einen Übungsleiter erfolgen kann, kann bei empfindlichen Personen zu unangenehmen körperlichen Nebenwirkungen führen.
Das autogene Training ist eine Art von Selbsthypnose, bei der man sich durch innere Befehle in einen entspannten Zustand versetzt und sich in diesem Zustand auf Teile des vegetativen Nervensystems konzentriert und deren Tätigkeit beeinflusst.
Diese Methode ist besonders geeignet für den stressgeplagten Menschen, der es verlernt hat, bewusst zu leben, der stets an das Morgen denkt und das Hier und Jetzt nicht genügend wahrnimmt. Er wird durch das autogene Training zur Besinnung angeleitet. Aus der Besinnung heraus erfolgt eine Konzentration auf die Ruhe, die es ermöglicht, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Schon in der Konzentration auf die Ruhe beginnt die erste Erholung.
Ziel des autogenen Trainings ist es, durch konzentrative Selbstentspannung jederzeit aus dem Alltag heraus auf einen Zustand innerer Ruhe umschalten zu können. Wer diese Methode beherrscht, kann jederzeit abschalten, umschalten, ruhig sein und ruhig bleiben. Er kann sein aufgeregtes Herz beruhigen und Stresseinwirkungen beeinflussen. Dadurch ist es dann auch möglich, ganz gezielt bestimmte Organe und Organsysteme zu beeinflussen, ihre Durchblutung zu fördern und das gestörte vegetative Gleichgewicht wieder zu harmonisieren.
Biofeedback
Eine kontrollierte Form des autogenen Trainings ist die Biofeedback-Methode. Sie bietet die Möglichkeit, den Grad der Entspannung des Körpers zu messen und auf diese Weise Entspannung kontrolliert zu trainieren. Dazu bedient man sich eines Biofeedback-Gerätes: Dem Patienten werden zuerst einmal Kopfhörer aufgesetzt, über die er nach Art des autogenen Trainings beruhigende Suggestionen zu hören bekommt. Dann werden ihm Elektroden an die Finger angelegt, die die elektrische Leitfähigkeit der Haut messen. Diese ändert sich je nach dem Erregungszustand. Je nachdem, ob die Spannung nun nachlässt oder zunimmt, gibt das Gerät einen an- oder abschwellenden Ton von sich bzw. zeigt den Messwert auf einer Anzeigeskala an. Auf diese Weise kann jeder an sich selbst genau kontrollieren, ob er sich aufregt oder entspannt, und so nach und nach Entspannung geradezu erlernen. Dadurch gelingt es jedem schon bald, Nervosität und Unruhe in den Griff zu bekommen.
Yoga
In den letzten Jahren erfreute sich das aus dem östlichen Asien stammende Körpertraining „Yoga" in seinen verschiedensten Formen großer Beliebtheit. Vor allem bei den jüngeren Leuten, die offen sind für die Denkweisen ferner Kulturen, gilt Yoga als bewährtes Mittel zur Selbsthilfe.
Yoga bedeutet etwa soviel wie Anpassung. Es ist das Bestreben, durch körperliche und geistige Konzentration einen höheren Bewusstseinszustand zu erlangen. Dafür werden gezielte Körperübungen und geistige Meditationsübungen durchgeführt. Bei uns im Westen haben sich vor allem die Körperübungen, auch Hatha-Yoga genannt, durchgesetzt.
Die von den leicht durchzuführenden Körperübungen ausgehenden Energiesteigerungen und die außerordentlich entspannende Wirkung lassen Yoga zu einer Wohltat für Körper und Geist des stressgeplagten Menschen werden.
Die Übungen können von Menschen fast jeden Alters erlernt werden. Auch wer sich für Sport schon zu alt fühlt und steif zu sein glaubt, wird erstaunt sein, wie schnell ihm regelmäßige Yoga-Übungen helfen, wieder beweglich zu werden. Wer mit Yoga beginnt, bestimmt selbst, wie viel er sich zumuten möchte. Yoga ist kein Leistungssport. Es geht dabei nicht um Geschwindigkeit und Ausdauer, sondern lediglich um eine Steigerung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens.
Es gibt mittlerweile in allen größeren Orten Gelegenheit, Yoga zu lernen, sei es in Sportzentren, in Volkshochschulen und anderen Einrichtungen. Wer hierzu keine Gelegenheit hat, kann Yoga notfalls auch zu Hause aus Büchern lernen. Eine teure Sportausrüstung ist hierfür nicht nötig. Sie brauchen lediglich lockere, nicht einengende Kleidung und eine Wolldecke als Unterlage.
Meditation
Bei den Meditationsübungen stellt der Mensch seine Aktivität weitgehend zurück und lässt sich dann auf eine intensive Betrachtung eines Gegenstandes oder auf einen Gedanken ein, wobei alles Ablenkende, die ganze Reizwelt, die uns umgibt, ausgeblendet wird. Ein meditierender Mensch gelangt nach einiger Übung in einen Zustand völliger innerer Ruhe. Statt sich von hektischer Betriebsamkeit anstecken zu lassen, hat er wieder Gelassenheit gelernt. Auf diese Weise gewinnt er Durchhaltefähigkeit auch in Stresssituationen und wird in seinem Inneren Kraftreserven entdecken, die ihm bislang unbekannt geblieben waren.
Meditation kann man durch spezielle Übungen erlernen, die von besonderen Meditationszentren oder auch in Klöstern angeboten werden. Mehr weltliche Formen der Meditation werden oft in den Erwachsenenbildungseinrichtungen gelehrt.