Welche Folgen hat negativer Dis-Stress für den Körper?
Schwächung der körpereigenen Abwehr
Der Mensch ist ständig einer Umwelt ausgesetzt, die voll von Viren, Bakterien und Giftstoffen ist, die sich in seinem Körper ansiedeln. Zum Teil sind sie dort nützliche Gäste. Die meisten dieser Lebewesen und Stoffe haben jedoch die unschöne Eigenschaft, die Zellen unseres Körpers anzugreifen und Krankheiten zu verursachen.
Doch längst nicht jeder Befall mit Krankheitserregern führt tatsächlich zu Krankheiten. Unser Körper besitzt zum Glück ein kompliziertes Abwehrsystem, das sogenannte Immunsystem, das dazu da ist, die Erreger abzuwehren, abzutöten oder auf andere Weise unschädlich zu machen. So werden spezielle Abwehrzellen im Körper gebildet, die die Aufgabe haben, die unerwünschten Eindringlinge fernzuhalten. Dieses Abwehrsystem funktioniert nicht isoliert im Körper, sondern ist mit dem Gehirn- und Nervensystem verbunden, so dass jede psychische Einwirkung auch eine Wirkung auf das Abwehrsystem hat. Unterliegen wir nun großem oder ständigem Dis-Stress, so wird das Abwehrsystem in seiner Funktion gestört. Ein gestresster Mensch ist also auch wesentlich mehr von Infektionskrankheiten bedroht als ein nicht gestresster.
Auch der gefürchtete Krebs, der ja das deutliche Zeichen des Zusammenbruchs unseres Abwehrsystems ist, greift nachweisbar in einem gestressten Körper eher um sich als in einem ausgeruhten und ausgeglichenen Körper.
Störung der Konzentration und des Denkvermögens
Wir wissen inzwischen, dass der Stressvorgang einen Flucht- oder Kampfimpuls beinhaltet. Während die Stressreize anhalten, werden alle für den Moment der Gefahr nicht notwendigen Körpervorgänge gedrosselt. Selbst Denkvorgänge im Gehirn werden blockiert, damit nicht unnötige Überlegungen von den Flucht- oder Kampfhandlungen ablenken sollen.
Bei dem Dauerstress, dem viele Menschen heute ausgesetzt sind, können diese Gehirnblockaden zu Konzentrationsstörungen und Gedankenlähmungen führen. Wer sich dauernd in einem inneren Alarmzustand befindet, kann seine Gedanken nicht zusammenhalten und auf einen bestimmten Punkt konzentrieren. So kann etwa eine Prüfungssituation dazu führen, dass alle Gedanken auf die Angst vor dem Nicht-Bestehen gerichtet sind, nicht aber auf den Stoff. Stressempfindliche Menschen können daher in einer solchen Situation in ihrem Denken völlig blockiert sein und plötzlich alles „vergessen", was sie sonst immer gewusst haben. Stresstraining durch ständige Prüfungen und Entspannungsübungen durch autogenes Training können hier oft Abhilfe schaffen.
Durchblutungsstörungen
Etwas komplizierter ist die Erklärung der Durchblutungsstörungen, die vielfach auch Folgen eines andauernden Stresses sind. Tritt ein Stressreiz ein, wird über bestimmte Gehirnbahnen das sogenannte vegetative, das heißt nicht willentlich beeinflussbare Nervensystem aktiviert. Stoffwechsel, Verdauung, Atmung, Herztätigkeit, Blutdruck werden über diesen Teil unseres Nervensystems gesteuert.
Die Stressreize bewirken nun, dass ein Teil des vegetativen Nervensystems, der Sympathikus-Nerv, seine Impulse an die Nebenniere weitergibt, die dann die Stoffe Adrenalin und Noradrenalin in den Blutstrom ausschüttet. Diese Hormone können, wenn sie nicht durch Bewegung abgebaut werden, zu Schwellungen und Entzündungen an den Gefäßwänden führen und damit die Durchblutung behindern. Da sich solche Schwellungen besonders an bereits vorgeschädigten Bereichen bilden, erhöht sich durch Stress die Gefahr der Gefäßverengung und damit des Schlaganfalls oder Herzinfarkts beträchtlich.
Da intensive Bewegung kräftig dazu beiträgt, die angesammelten Hormone wieder zu „verbrennen", ist auch hier eine vernünftige sportliche Betätigung die beste Vorbeugungsmaßnahme zur Erhaltung der Gesundheit.
Schädigung am Herzen
Herz- und Kreislauferkrankungen gehören neben dem Krebs zu den häufigsten Todesursachen in allen Industrienationen. Über 300000 Menschen sterben allein in der Bundesrepublik Deutschland jährlich am Herzinfarkt. Langjährige Beobachtungen haben ergeben, dass stressbedingte Fehlsteuerungen, vor allem eine stressbedingte „chronische Kampfhaltung" gegenüber der Umwelt, sich direkt auf die Krankheitsentstehung auswirken.
Neben den im Abschnitt über Durchblutungsstörungen erwähnten Gefäßverengungen sind vor allem auch Verengungen durch Ablagerungen in den Blutgefäßen zu nennen, die den Herzinfarkt verursachen können. Diese entstehen durch Bluthochdruck, Nikotin und erhöhten Blutfettspiegel. Solche Ablagerungen von Cholesterin und Kalk verhärten sich und sind nicht mehr rückgängig zu machen. Dadurch wird der Herzmuskel nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt, die Muskelzellen sterben ab, und das Gewebe vernarbt.
Als besonders infarktgefährdet gelten Raucher, Fettesser und die sogenannten Kämpfertypen, die ständig in Hetze sind, mehr schaffen wollen als andere und keine richtige Erholung kennen, also vor allem alle stressgefährdeten Menschen.
Störungen der Verdauungsorgane
Als stressbedingte Erkrankungen der Verdauungsorgane gelten vor allem Magengeschwüre, Geschwüre an Zwölffingerdarm, Dickdarm sowie chronische Entzündungen in diesen Bereichen. Auch harmlose zeitweilige Verdauungsstörungen sind oft Folgen von Stress, der sich auf den Magen geschlagen hat. Vor allem Schreckreaktionen und Angstzustände lösen eine erhöhte Magensäureproduktion aus und lassen die Muskeln verkrampfen. Durch diese Verkrampfung der Muskulatur (Spasmen) wird die Durchblutung der Magenschleimhaut gestört, das schlecht durchblutete Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff, und die Abfallprodukte des Stoffwechsels können nicht genügend abgebaut werden. Das Gewebe wird geschädigt und stirbt ganz ab. Damit ist auch das durch die Magenschleimhaut nicht mehr hinreichend geschützte Muskelgewebe einer erhöhten Säureeinwirkung ausgesetzt. Der Magen verdaut sich gleichsam selbst. So kann es zu Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), Magengeschwüren und schlimmstenfalls Magenblutungen und Magendurchbrüchen kommen. Genussgifte wie Alkohol, Kaffee und Tee begünstigen diese Prozesse ebenso wie falsche Essgewohnheiten.
Muskelverspannungen
Was über die Herzmuskulatur gesagt wurde, trifft auch für alle anderen Muskeln zu. Wer in einer Stresssituation bewusst oder unbewusst die Muskeln anspannt und sich so kämpf- oder fluchtbereit macht, hat einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Die Blutversorgung der Muskeln muss also höher sein als im entspannten Zustand. Durch die angespannten Muskeln werden die Gefäße aber eingeengt, und die Durchblutung wird beeinträchtigt. Ebenso werden die Abfallprodukte des Stoffwechsels nicht abtransportiert. Beides zusammen ruft Schmerzen in den Muskeln hervor, etwa Muskelkater oder Spannungsschmerzen am Kopf und im Nacken. Selbst dauernde Schmerzen im Bereich der Rückenmuskulatur und Wirbelsäule haben ihren Ursprung oft darin, dass das Gewebe durch stressbedingte Dauerspannung so geschädigt ist, dass Muskelzellen absterben und Entzündungsherde entstehen.