Negativer Stress - „Dis-Stress" - der Krankmacher Nr. 1

Als Dis-Stress bezeichnet man den Stress, der schädigende Wirkung auf den Körper ausübt. Dabei ist es nicht einmal nötig, dass er stets bewusst wahrgenommen wird, im Gegenteil, gerade weil uns oft nicht bewusst wird, dass wir unter Stress stehen, erlangt der Stress seine gefährliche Wirkung, zumal dann, wenn es sich um einen Dauerstress handelt.

Wer denkt denn schon daran, dass Dis-Stress bereits einsetzen kann, wenn wir einen spannenden Krimi oder ein Fußballspiel im Fernsehen ansehen oder uns als Autofahrer über andere Verkehrsteilnehmer ärgern? Eine Summe solch kleiner „Stressoren" oder ein lang andauernder Stressor sind auf die Dauer gesehen mindestens genauso schädlich wie wirkliche gefahrenbringende Situationen. Während letztere heutzutage seltener geworden sind, ist die Dauerberieselung mit kleineren Stressoren das Merkmal unserer Zeit.

So wie wir uns viel Eustress verschaffen sollten, gilt es, Dis-Stress zu vermeiden. Im Folgenden möchten wir Ihnen eine Reihe von Stressoren aufzählen, die es nach Möglichkeit auszuschalten gilt.

Falsche Zeiteinteilung

Eine der häufigsten Stressquellen unserer Tage ist der „chronische Zeitmangel", über den die meisten Menschen heute klagen. Obwohl sie genau wissen, dass auch ihre Woche nur sieben Tage und ihr Tag nur 24 Stunden hat, verplanen sie ihre Zeit, als stünde ihnen das Doppelte davon zur Verfügung. Es ist nur einleuchtend, dass sie dabei ständig in Zeitdruck geraten, sich abhetzen müssen und andauernd befürchten müssen, zu spät zu kommen, unangenehm aufzufallen oder wichtige Dinge nicht erledigen zu können. Diese Furcht allein genügt schon, um im Körper das Signal „Stress" auszulösen. Dabei muss sich der betroffene Mensch persönlich noch gar nicht gestresst fühlen. Er blickt nur alle paar Minuten auf die Uhr, schaut immer wieder auf den Fahrplan oder trippelt „nervös" an der Haltestelle herum, als ob er damit die Straßenbahn veranlassen könnte, schneller zu kommen.

In seinem Inneren laufen dabei Vorstellungen ab, was alles passieren könnte, wenn er zu spät erscheint. Falls sich dann die Befürchtung bewahrheitet und er merkt, dass er den Termin nicht einhalten kann, signalisieren feuchte Hände, Schweißausbrüche, schneller Herzschlag und Fluchtgedanken, dass der Stressablauf in vollem Gange ist. Wohl dem, der dann noch ein paar Treppen zu Fuß gehen und sich dabei abreagieren kann.

Wer bereits morgens um jede Minute geizt und fast immer eher fünf Minuten zu spät als zu früh aufsteht, hat bereits, ehe der Tag richtig begonnen hat, etliche Stresshormon-Ausschüttungen veranlasst.

Dass jedoch auch viele Menschen unter dem Druck drohender Arbeitslosigkeit gezwungen sind, sich stressfördernde Zeiteinteilungen aufzuladen, soll nicht vergessen werden. Denken Sie hier z.B. an die vielen LKW-Fahrer, denen Entlassung droht, wenn sie eine bestimmte tägliche Fahrleistung nicht schaffen und deshalb übermüdet unter Umgehung geltender Vorschriften ans Steuer müssen.

Oft ist jedoch das Gefühl, keine Zeit zu haben, auch das Ergebnis einer falschen Arbeitsorganisation. So stressfördernd starre Stundenpläne sein können, so stressfördernd ist es auch, wenn Sie planlos trödelnd Ihre Arbeit verrichten.

Die scheinbare Freiheit, die Sie sich dabei herausnehmen, müssen Sie oft teuer bezahlen. Das versäumte Pensum können Sie dann nämlich nur schaffen, wenn später in Tag- und Nachtarbeit die verlorene Zeit eingeholt wird. Das Beste ist auch hier eine vernünftige Planung, die Zeit und Freiheit für bedürfnisgerechte Beschäftigungen lässt. Ein Terminplan also, der die beruflichen Verpflichtungen so einplant, dass noch genug Zeit für private Erledigungen und schöpferische Pausen bleibt.

Konflikte im Arbeitsbereich

Von falscher Zeiteinteilung zu Konflikten im Arbeitsbereich ist oft nur ein kleiner Schritt. Wer häufig zu spät zur Arbeit erscheint, Kunden oder Geschäftspartner warten lässt, seine Aufgaben nicht fristgerecht erledigt, wird sich allzu oft den Unmut von Kollegen und Vorgesetzten zuziehen. Besonders gefährdet sind Arbeitnehmer dann, wenn innerbetriebliche Veränderungen bevorstehen und die Belegschaft nicht erfährt, nach welchen Kriterien Versetzungen, Umgruppierungen und Entlassungen vorgenommen werden. Ein solcher Zustand kann oft wochen- oder monatelang andauern und erzeugt fortwährend Angststress. Dauernde Ängste und Ungewissheiten stellen aber vielleicht die größten Stressoren überhaupt dar.

Auch der Leistungsdruck im Betrieb wirkt als wichtiger Stressor. Besonders dann, wenn das Fortkommen ständig von Beurteilungen anderer abhängt, ist Dauerstress unvermeidlich. Es sei denn, man begnügt sich mit einer einmal erreichten Position.

Arbeitsforscher haben das sogenannte Peter-Prinzip aufgezeigt. Das besagt, dass jeder, der seine Arbeit gut macht, befördert wird, bis er eine Stelle in der betrieblichen Stufenleiter erreicht, die er nur noch unter großer Mühe und Stress ausfüllen kann. Da nach einiger Zeit die meisten Menschen an so eine Stelle kommen, ist immer eine große Zahl Arbeitnehmer in einer Position, auf die sie besser verzichtet hätten.

Einen wichtigen Stressfaktor stellt auch die Abhängigkeit von der Meinung der Vorgesetzten dar. Sie zwingt viele Mitarbeiter zu ständiger Selbstverleugnung und Überanpassung. Wo Arbeit ständiger Kontrolle unterliegt, wird sie kaum befriedigend sein können. Dazu kommen oft noch Autoritätsängste dem Chef gegenüber. Hier müssen Sie sich unbedingt klarmachen, dass auch Ihr Chef nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen ist.

Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist oftmals stressfördernd. Sie können sie sich nicht aussuchen und müssen dennoch Tag für Tag mit ihnen den Raum teilen und sogar noch harmonisch mit ihnen zusammenarbeiten. Wo aber innerhalb der Belegschaft unausgesprochene Feindschaften bestehen, wo einer über den anderen hinter dessen Rücken tuschelt, wo kurz gesagt eine vergiftete Atmosphäre herrscht, ist die Arbeit zwangsläufig mit einem Dauerstress verbunden, der häufig zu Krankheiten führt. Oftmals signalisiert der Körper damit nur, dass es an der Zeit ist, dieser Atmosphäre bald zu entfliehen. Solche Krankheitserscheinungen sind ernst zu nehmen. Sie sollten sie als Alarmzeichen dafür deuten, dass etwas an den Ursachen geändert werden muss. Das Falscheste wäre allerdings, sich in solch einer Situation trotz Krankheit immer noch an den krankmachenden Arbeitsplatz zu schleppen und so weiterzumachen wie bisher.

Konflikte im privaten Bereich

Die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten hundert Jahren brachte es mit sich, dass sich heute die meisten von uns in den verschiedensten Umwelten zurechtfinden müssen. Es wird in einer „Schlafstadt", in einem Vorort gewohnt, im Stadtzentrum gearbeitet und Freizeit sowie Urlaub wiederum an anderen Orten und mit anderen Menschen verbracht. Früher war das anders. Arbeits- und Wohnstätte waren meist nicht getrennt. Reisen und Urlaub waren nahezu unbekannt. Die heute durch das „Pendeln" bedingten ständig wechselnden Umweltreize, die ständig neuen Kontakte müssen verarbeitet werden. Besonders schwierig ist dies, wenn in den verschiedenen Bereichen jeweils verschiedene Rollen gespielt werden müssen, man sich also zum Beispiel in einem Umfeld leger geben kann, im anderen wieder ständig zusammennehmen muss.

Oft schlagen sich auch die Konflikte aus einem Bereich im anderen nieder. Besonders häufig ist dies der Fall, wenn Ärger aus dem Büro unbewältigt nach Hause und in die Familie hineingetragen wird. Sie werden alle das Gefühl kennen, dass man zu Hause nicht abschalten kann, dass Sie auch im Kreise Ihrer Familie immer wieder an Ihre Arbeit denken, anstatt zu entspannen und sich Tätigkeiten zu widmen, die Ihnen Eustress verschaffen könnten. In solchen Fällen ist es oft nicht zu vermeiden, dass der Ärger am Arbeitsplatz privaten Ärger nach sich zieht. Die Ehefrau oder Partnerin fühlt sich vernachlässigt, wenn der Mann mit dem Büro „verheiratet" ist. Statt gemeinsamer Unternehmungen oder auch gemeinsamem Tragen der häuslichen Angelegenheiten ist der Mann auf seine Arbeit fixiert, entsprechend schlecht gelaunt und trägt zur wiederum stressfördernden Vergiftung der häuslichen Atmosphäre bei. Diese Situation ist auch für die Ehefrau stressfördernd, besonders wenn es zu keiner Aussprache über diesen Zustand kommt und sich so ein Dauerstress einnistet.

Oft hat auch die Frau mit ihrer Berufstätigkeit oder ihrer Tätigkeit im Haushalt Probleme, die sie nun auch nicht mit dem Partner besprechen kann. Beide Partner fühlen sich von zwei Seiten belästigt, von ihren beruflichen Problemen und der häuslichen Atmosphäre. Es melden sich Gefühle der Unsicherheit, der Angst, nicht mehr geliebt oder verlassen zu werden. Diese Stressoren beeinflussen wiederum den Hormonhaushalt, führen zu Erkrankungen und Nervenstörungen, etwa zu Anfällen von Migräne oder Sexualstörungen, was wiederum die Entfremdung zwischen den Partnern verstärken kann.

Natürlich sind nicht nur die Probleme zwischen den Partnern zu nennen, sondern auch die Probleme der Eheleute mit den Kindern und der Kinder mit der Schule. Schließlich gibt es auch noch Konflikte mit Verwandten und mit Nachbarn, die stressauslösend sein können.

Ärger im Straßenverkehr

Momentan herrscht winterliche Katastrophenstimmung. Verschneite und vereiste Straßen, Schneeverwehungen, schlecht geräumte Wege und Plätze machen das Vorwärtskommen schier unmöglich. Jeder kann sich vorstellen, wie beansprucht bei solchen Witterungsbedingungen alle Verkehrsteilnehmer sind. Jetzt gibt es selbst bei Fußgängern, die sich auf spiegelglatten Straßen vorantasten müssen, Stressalarm im Körper. Für die Autofahrer ist höchste Vorsicht geboten. Jeder von Ihnen, der schon bei solchen Verhältnissen hinter dem Steuer gesessen hat oder auch nur als Beifahrer mitfuhr, weiß, wie ständige Konzentration nötig ist, wie jeder Bremsvorgang auf spiegelglatter Straße ein Wagnis mit ungewissem Ausgang ist, jedes Anfahren und Abbiegen konzentriertes Lenken und Gasgeben erfordert.

Der Autofahrer ist in mehrfacher Hinsicht gestresst. Erstens versagen alle bisherigen Reaktions- und Orientierungs-muster. Zweitens ist man ziemlich hilflos der Eigendynamik des Fahrzeuges ausgeliefert, hat also sein Leben nicht mehr in der Hand. Drittens ist auch die reale Gefahr größer geworden, da auch die anderen Verkehrsteilnehmer mehr oder weniger unberechenbar geworden sind. Dazu kommt oft die Angst, zu spät zum Arbeitsplatz zu kommen.
Aber auch bei normalen Witterungsbedingungen, wenn wir meinen, alles im Griff zu haben, stehen wir als Autofahrer unter einem messbaren Stress, und zwar nicht nur in ausgesprochenen Gefahrensituationen, sondern auch im Normalbetrieb. Dazu gehört etwa der Stress, den uns der Verkehrslärm bereitet, oder der Stress durch die Luftverschmutzung auf belebten Straßen. Der menschliche Organismus braucht Sauerstoff zur Aufrechterhaltung seiner Funktionen. Wird er damit schlecht versorgt, treten gar noch giftige Schadstoffe hinzu, reagiert er mit Stress...
Der Wunsch, schnell voranzukommen, geboren aus stressförderndem Konkurrenzverhalten, aus Ehrgeiz oder Termindruck, fördert den Stress.

So hat man durch Messungen festgestellt, dass bei jedem Überholmanöver Puls und Blutdruck beträchtlich in die Höhe schnellen: Ebenso steigt der Stress bei erhöhter Geschwindigkeit, da dies zwangsläufig erhöhte Konzentration erfordert. Konkurrenz- und Leistungsdenken im Straßenverkehr verstärken auch den Ärger über andere Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an diesem ständigen Konkurrenzkampf beteiligen wollen und so nicht als Partner, sondern als „Hindernisse" angesehen werden.

Konkurrenzverhalten zeigt sich schließlich auch darin, dass viele Menschen mit ihren Kollegen und anderen Bekannten darin wetteifern, ein möglichst noch schnelleres, schickeres und noch angeseheneres Automobil zu besitzen, selbst wenn sie es sich im Grunde gar nicht leisten können. Die Folge: Sie müssen mehr arbeiten und müssen Schulden machen, was wiederum den Dis-Stress erhöht.

Nicht nein sagen können

Haben Sie schon einmal erfahren müssen, dass auch Tugenden sich in ihr Gegenteil verkehren können? So kann zum Beispiel Hilfsbereitschaft Stressgefahren bergen, wenn man Hilfe zusagt, ohne sie wirklich leisten zu können. Wenn Sie merken, dass sich Nachbarn oder Bekannte vorzugsweise an Sie wenden und Sie um Gefälligkeiten bitten, dann sollten Sie sich durchaus selbstkritisch überlegen, ob solche Gefälligkeiten noch im Rahmen bleiben und Sie sie ohne Gefährdung Ihrer Gesundheit noch erledigen können. Wahrscheinlich gehören Sie dann auch zu den Menschen, die nie „nein" sagen können. Dies kann verschiedene Ursachen haben, und nicht immer sind Edelmut und Menschenliebe der ausschlaggebende Grund. Oft ist es eine Konfliktscheu, andere zu kränken und damit zu verlieren. Oft stellen die Menschen, die nicht „nein" sagen können, überhöhte moralische Anforderungen an sich. Damit will ich keinesfalls einem schrankenlosen Egoismus das Wort reden, aber es hat sich oft genug gezeigt, dass nur derjenige auf Dauer wirkungsvoll helfen kann, der auch in der Lage ist, sich eigene Bedürfnisse zu erfüllen und dabei Eustress erleben kann. Wer die eigenen Bedürfnisse ständig hintanstellt, um für andere da sein zu können, überfordert sich leicht selbst und läuft Gefahr, sich auf diese Weise krankmachenden Dis-Stress aufzuhalsen. Diesen Stress wollen sich solche Menschen allerdings oft nicht eingestehen, weil sie ja glauben, alles „gerne" für die anderen Menschen zu tun. Aber gerade das Nicht-Wahrnehmen von Stress ist dann ja das Gefährliche.

Nicht nein sagen können heißt oft auch, allen Konflikten aus dem Wege zu gehen, nie zu widersprechen und dadurch schließlich sich selbst zu verleugnen. So geht manch einer von uns aus einem konfliktbeladenen Gespräch mit dem unbefriedigenden Gefühl heraus, dass er es „dem Mann hätte geben müssen", statt ihm wiederum nach dem Munde zu reden. So sind auch manche privaten Beziehungen auf Sand gebaut, nämlich auf den Verzicht, sich gegenseitig auch einmal die Meinung zu sagen und auf die Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse zu pochen.

Ein schlechtes Gewissen ist kein sanftes Ruhekissen

„Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen" war auf ein Sofakissen meiner Großmutter gestickt. Aber so altmodisch dieser Spruch auch klingen mag, er hat, wie viele Sprichwörter, einen wahren Kern: Viele Menschen werden ständig vom schlechten Gewissen geplagt. Dass das stressfördernd sein kann, wird oft nicht bemerkt, denn ebenso wie beim Nicht-nein-sagen-Können sind es oft tiefsitzende moralische Normen, denen wir uns unterworfen haben und worüber wir eigene Bedürfnisse vergessen. Niemand sollte ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sein Leben nicht dem Nächsten opfert, sondern auch eigene Lebensziele verfolgt.

Wer unter schlechtem Gewissen leidet, muss einmal in sich gehen und sich fragen, warum er Dinge tut, die er glaubt, nicht vor sich verantworten zu können. Hat er dies geprüft, muss er entweder seine Handlungen oder seine Normen ändern. Wenn er jedoch weiterhin mit schlechtem Gewissen herumläuft, so führt dies früher oder später mit Sicherheit zu chronischen Erkrankungen, den sogenannten psychosomatischen (seelisch-körperlichen) Störungen. Unbewusst will man sich dann nämlich durch die Krankheit selbst bestrafen, weil man etwas vermeintlich Schlechtes getan hat oder weiterhin tut. Besonders gefährlich ist das schlechte Gewissen dann, wenn es dadurch entsteht, dass man glaubt, bestimmten Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Nach den Erfahrungen aus meiner Praxis scheinen mir hier besonders Frauen betroffen zu sein. Viele von ihnen glauben, ihre Kraft dem Wohl ihrer Familienangehörigen widmen zu müssen, und leben so in ständiger Angst, dies nicht zur vollen Zufriedenheit von Ehemann und Kindern zu tun. Der Grund mag darin liegen, dass Frauen vielfach dazu erzogen wurden, sich für andere aufzuopfern, statt eigene Lebensziele zu verwirklichen. Das Vertreten eigener Interessen und Bedürfnisse ist eine Voraussetzung für ein befriedigendes Leben, für geistiges und körperliches Wohlbefinden.

Übermäßige Hektik

Ein gewisses Maß an Anspannung kann durchaus als Eustress wirken, sofern wir dabei aktiv werden müssen. Diese Spannkraft, die sich in gezieltem Vorgehen, konzentriertem Zuhören, aufmerksamer Haltung und klaren fließenden Bewegungen ausdrückt, führt nämlich zu einer tiefen Befriedigung unseres Tatendrangs und hat mit der zu Recht verteufelten Hektik nicht das Geringste zu tun.

Hektik ist immer die Folge von tatsächlichem oder eingebildetem Zeitdruck und ist in vielen Fällen durch geplante Organisation der Arbeit zu vermeiden. Der hektische Mensch zeichnet sich durch fahrige Bewegungen, sprunghaftes, wenig zielgerichtetes Verhalten und fehlende Konzentrationsfähigkeit aus. Er ist stets betriebsam, gönnt sich keine Pause und kommt doch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Die Folge ist Stress, das Gefühl, nie Zeit zu haben, und dadurch eine mangelnde Befriedigung durch die Arbeit. Manche Bereiche des modernen Lebens fördern hektisches Verhalten, z.B. der Bereich der Massenkommunikation, wo in kurzer Zeit viele Eindrücke zu verarbeiten sind.
Wird Hektik jedoch zu einem Dauerzustand, ist die Gesundheit gefährdet. Hier sind schleuniges Umdenken und innere Einkehr geboten.

Genussgifte

Viele von uns reagieren empört, wenn sie in den Schlagzeilen der Presse von steigendem Drogenkonsum lesen. Sie machen sich aber nicht klar, dass es neben den verbotenen Rauschgiften auch gesellschaftlich anerkannte Drogen gibt, die von der Mehrzahl der Erwachsenen regelmäßig konsumiert werden und auf die Dauer gesehen der Gesundheit fast ebenso abträglich sind. In erster Linie sind dabei Alkohol und Tabak zu nennen. Aber auch Kaffee und Tee stellen, wenn auch leichtere, Genussgifte dar. Nicht vergessen werden dürfen hier auch die Arzneimittel, deren Verbrauch, oder besser Missbrauch, in jüngster Zeit sprunghaft angestiegen ist.

Alle Genussmittel und auch ähnlich wirkende Medikamente wie Schmerz- und Schlaftabletten haben gemeinsam, dass sie stresserzeugende Konflikte nicht aus der Welt schaffen, sondern die Stresswirkung nur kurzfristig betäuben, die danach aber unvermindert stark wieder auftritt.

Falsche Ernährung und falsche Essgewohnheiten

Auch der Umgang mit den Nahrungsmitteln zeigt vielfach eine enge Verwandtschaft zur Drogensucht. Denken Sie nur einmal an den Genuss von Süßigkeiten oder an das gedankenlose Hinunterschlucken von salzigem Kleingebäck vor dem Fernseher. Ganze Zweige der Nahrungsmittelindustrie leben mittlerweile von der Produktion solcher gesundheitsschädlicher Produkte.

Aber auch das Vielessen oder Wenigessen und die immer häufiger vorkommende Kombination beider Erscheinungen haben Suchtcharakter. Mit den falschen Essgewohnheiten wird, wie mit den Drogen, häufig versucht, Probleme und stressauslösende Konflikte zu betäuben, weil eine Lösungsmöglichkeit nicht gesehen wird. Der Ursprung der falschen Essgewohnheiten ist die Folge der Veränderungen in der Arbeitswelt und der Tageseinteilung in unserer Zeit als Folge der Industrialisierung.

- Unregelmäßige Mahlzeiten: Unser Körper braucht ein Mindestmaß an Regelmäßigkeit, auch beim Essen. Ständig wechselnde Essenszeiten verlangen dem Körper dauernden Stress ab.

- Falsche Essgewohnheiten: Sie sollten sich für jede Mahlzeit angemessen Zeit reservieren und gönnen. Diese ist nötig, um das Essen genügend kauen und einspeicheln zu können, was die Verdauung wesentlich erleichtert. Eine gute Verdauung ist jedoch von größter Wichtigkeit für das Funktionieren aller unserer Körpervorgänge.

- Ungesunde Nahrungsmittel: Vermeiden sollten Sie bei Ihrer Ernährung chemisch belastete Nahrungsmittel, aber auch ein Zuviel an Weißmehlprodukten, an Kochsalz, Zucker und tierischen Fetten.

Bewegungsmangel

Wer einmal auf einem Schulhof herumtobende Kinder beobachtet, kann sehen, welches Bewegungsbedürfnis der Mensch eigentlich hat. Leider geht dieser Bewegungsdrang mit zunehmendem Alter meist verloren, und selbst viele Kinder ziehen es heute vor, in den Ecken des Schulhofs oder den Fluren des Gebäudes herumzustehen. Sie ahmen damit das Vorbild der Erwachsenen nach, die sich immer weniger bewegen.

Während vor 2000 Jahren noch nahezu alle Arbeiten mit körperlichen Tätigkeiten verbunden waren, wurden diese durch die Maschinenarbeit immer mehr eingeschränkt. Eine weitere Einschränkung erfolgt heute durch den Siegeszug der Arbeit am Computer-Bildschirm. Mangel an Bewegung geht aber immer einher mit Stress, da sich dieser ja, wie wir gesehen haben, nur durch Bewegung abbauen lässt. Die fast vollständige Motorisierung der Bevölkerung führt zudem dazu, dass auch immer weniger Menschen zu Fuß gehen oder Rad fahren. Im Haus nehmen uns viele Maschinen den Rest an erforderlichen körperlichen Betätigungen ab.

So helfen uns die Maschinen zwar die Arbeit zu erleichtern und schaffen uns Bequemlichkeit, andererseits tragen sie aber auch dazu bei, dass der Stress (der zum Teil von ihnen verursacht wird) nicht abgebaut werden kann. Da Bewegungsarmut nicht nur stressfördernd ist, sondern auch einer der stärksten Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen darstellt, sind wir mehr und mehr gezwungen, uns „künstlich", etwa durch sportliche Aktivitäten, Bewegung zu verschaffen.

Sportstress

Allerdings sollte man die sportliche Tätigkeit nicht übertreiben. Es gibt viele Menschen, die sich nicht nur ständig im Beruf Höchstleistungen abverlangen, sondern bei allem, was sie betreiben, mit großem Ernst und Leistungsdenken vorgehen. Für solche Menschen wird selbst aus dem nichtorganisierten Freizeitsport eine Form des Leistungssports.
Kein Wunder, dass sich viele Menschen mit solch einer Einstellung zum Sport förmlich zwingen müssen, als gelte es, eine bittere Medizin zu schlucken. Wird eine Tätigkeit jedoch als Zwang empfunden, ist sie auch stets mit Dis-Stress verbunden.

Eine nochmalige Steigerung des Stresses vermag uns der Leistungssport zu verschaffen. Es wird nach genauen Plänen trainiert, kein Training darf versäumt werden, ob man Lust dazu hat oder nicht. Sport wird zur Pflicht. Im Wettkampf schließlich gelten die stressfördernden Bedingungen der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft, gelten einengende Regeln und taktische Anweisungen, die genauestens zu befolgen sind. Individuelle Entfaltung, die echte Freude bringen kann, wird klein geschrieben, was zählt, ist der Erfolg.

Fast alles, was uns in der Arbeitswelt Stress verschafft, findet sich im Leistungssport wieder. Ein Glück, dass die Bewegung auch wiederum zum Stressabbau beitragen kann. Doch oftmals verschafft der Leistungsdruck so viel Stress, dass die Bewegung nicht einmal mehr ausreicht, um ihn wieder abzubauen.

Falsche Schlafgewohnheiten

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Ohne Schlaf kann kein Mensch auf Dauer existieren. Durch den Schlaf schützt sich unser Organismus vor Überreizung. Während des Schlafes ruhen die Organe und Muskeln aus, während der Träume erholt sich unser Bewusstsein. Dauerhafter Schlafentzug führt unweigerlich zu schlimmsten Stresserscheinungen und zu den verschiedensten Krankheiten.

Während bei gesunder Lebensweise auch ein gesunder Schlaf nahezu selbstverständlich ist, klagen in der gestressten Wohlstandsgesellschaft heute immer mehr Leute über Schlaf- und Einschlafstörungen. Diese Störungen sind meist eine Folge des tagsüber erlebten Stresses, manchmal aber auch Folge unnötiger oder falscher Lebensgewohnheiten.
Bei einer natürlichen Lebensweise richtet sich nämlich der Schlaf- und Wachrhythmus nach den Tages- bzw. Nachtzeiten. Früher stand man auf, wenn die Sonne aufging, und legte sich nicht lange nach Sonnenuntergang wieder schlafen. Die Industrialisierung brachte es jedoch mit sich, dass wir uns heute an bestimmte Arbeitszeiten zu halten haben. Diese sind unabhängig vom Tages- und Nachtrhythmus und vielfach noch nicht einmal ständig gleich. Der natürliche Lebensrhythmus kommt dabei selbstverständlich durcheinander, und die totale Reizüberflutung durch Straßenverkehr, Leistungsdruck, Radio, Fernsehen und vieles andere mehr sorgt dann noch dafür, dass auch die verbliebene Freizeit keine Erholung bringt.

Auch Sie werden sicherlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass Sie trotz Müdigkeit nicht ins Bett gegangen sind, weil Sie noch irgendetwas Besonderes im Fernsehen sehen wollten oder weil vielleicht dies oder jenes noch vor dem nächsten Tag zu erledigen war. So wird das Schlafbedürfnis übergangen und der Körper zusätzlich gereizt. Wenn Sie dann endlich im Bett liegen, finden Sie keinen Schlaf mehr, weil Ihnen viel zu viele Gedanken durch den Kopf gehen und Sie so „überdreht" sind, dass Sie gar nicht zur Ruhe kommen können. Andererseits wird es Ihnen aber auch vielleicht schon passiert sein, dass Sie vor dem Fernseher eingeschlafen sind. Nur ist dieser Schlaf auf der Couch oder im Fernsehsessel sicherlich kein gesunder Schlaf, da er niemals ein richtig tiefer Schlaf werden kann. Irgendwann werden Sie dann außerdem noch wach und müssen Ihren Schlaf unterbrechen, um ins Bett zu gehen. Dann gleich wieder einzuschlafen ist nicht jedem möglich. Wer beim abendlichen Spätfilm dann auch noch Alkohol konsumiert, bringt mit größter Sicherheit seinen inneren Regelmechanismus vollkommen durcheinander.

Bei weitem das Schlimmste, was ein schlafgestörter Mensch aber tun kann, ist, Schlaftabletten einzunehmen. Diese Tabletten vergiften nicht nur den Körper, sondern machen allmählich auch süchtig.

Amerikanischen Wissenschaftlern gelang es, Versuchspersonen mit gesundem Schlaf innerhalb einer Woche durch Schlafmittelgaben in die Schlaflosigkeit zu treiben. Der Vorgang ist hier so ähnlich wie bei den Kopfschmerztabletten, von denen ja auch viele nicht mehr den Kopfschmerz vertreiben, sondern neue Kopfschmerzen erzeugen.
Die Suchtfolgen durch Schlaftabletten führen dann schließlich dazu, dass Sie immer stärkere Dosen einnehmen müssen, um den erwünschten Schlaf zu finden. Außerdem aber bewirken Schlaftabletten auch, dass bestimmte Schlafphasen, in denen sich das Gehirn und das Bewusstsein erholen können, ganz einfach nicht mehr stattfinden. So fehlt es zum Beispiel an Träumen, die sehr wichtig zur Regeneration der Psyche sind. Die Folge ist, dass psychische Störungen auftreten. Ein Schlaf unter Schlafmitteleinwirkung bringt aber auch sonst keine Erholung, sondern macht den ganzen Körper nur noch empfindlicher für jede Art von Stresseinwirkung.

Was ist die Konsequenz?

Ganz einfach: Wer Stress vermeiden will, muss für einen gesunden und natürlichen Schlaf sorgen. Das gilt natürlich ganz besonders für die Menschen, die schon einen sehr aufreibenden Beruf haben und dem Stress überhaupt nicht entgehen können. Nur ausreichender gesunder und natürlicher Schlaf gibt Körper und Seele dann genügend Zeit und Kraft, sich von den Strapazen des Tages zu erholen und genügend Energien zu tanken, um den Stress des nächsten Tages ohne Schaden durchzustehen.

Konsumstress

Eine neue Erscheinung unserer Wohlstandsgesellschaft ist der sogenannte Konsumstress. Er ist das Ergebnis des Strebens nach immer neuen Waren, die das Leben angenehmer, schöner oder interessanter machen sollen. Ausgelöst wird dieser Stress durch geschickte Werbung und den Wunsch, Nachbarn, Freunden und Bekannten zu imponieren. Die Werbung erzeugt Unzufriedenheit mit dem bisherigen Besitz, macht neugierig auf neue Waren und bedient sich dabei des Wunsches vieler Leute, besser und wohlhabender zu erscheinen als ihre Mitmenschen. Die Folge dieser Geltungssucht: Mehrarbeit.

Um die Mehrausgaben bezahlen zu können, muss noch mehr gearbeitet werden, d.h. der Dis-Stress nimmt zu, und die Zeit für Eustress wird immer knapper. Wer Schulden hat, hat aber auch oft Angst, diese nicht zurückzahlen zu können. Und Angst ist eine der schlimmsten Arten von Dis-Stress, denn Angst untergräbt das Selbstvertrauen, schwächt die körpereigene Abwehrkraft und kann so - wie man heute weiß - letztlich sogar zu Krebs führen.

Freizeitstress und Urlaubsstress

Die Freizeit soll der Erholung von der Arbeit dienen. Geist und Körper sollen sich ausruhen und regenerieren können. Längst sind wir jedoch dabei, uns in der Freizeit neuen Stress aufzuhalsen. Wenn wir uns die häufigsten Freizeitbeschäftigungen vor Augen führen, so sind die „ruhigen" Beschäftigungen wie Lesen, Spielen, Garten anlegen oder Basteln mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Fernsehen, Kino, beim Sport zuschauen, Diskothekenbesuche, Ausflugsfahrten mit dem Auto, Wettspiele in Spielotheken oder Kneipen werden wichtiger, Tätigkeiten also, die eher stressfördernd als erholsam wirken.

Was in der täglichen Freizeit nicht gelingt, nämlich sich zu erholen, sollte doch wenigstens im Urlaub möglich sein. In Wirklichkeit jedoch kommen nicht wenige Leute gestresst aus dem Urlaub zurück oder erleiden gerade dort schwere Schäden.

Was können Sie besser machen? Planen Sie zunächst einmal einen Urlaub, der Ihrem Geldbeutel entspricht. Im Urlaub sollten Sie nicht sparen und auf jede Mark gucken müssen. Die Reise muss also von vornherein in einer Preisklasse liegen, die Ihnen noch ausreichend Taschengeld ermöglicht. Keinesfalls sollte Ihr Bankkonto überstrapaziert werden, noch sollten Sie für den Urlaub extra einen Kredit aufnehmen müssen.

Wer sich keinen Urlaub leisten kann, sollte besser zu Hause bleiben. Gerade in der normalen Urlaubszeit - aber meist auch in der übrigen Jahreszeit - bieten die Städte und Gemeinden viele Veranstaltungen an, die das Leben kurzweilig machen. Ausflüge ins Grüne können - im Gegensatz zu Wochenendausflügen - während der Woche sehr erholsam sein, wenn nur wenige Leute unterwegs sind. Zoo-, Museums- oder Theaterbesuche machen viel Freude, und sicher gibt es auch in Ihrer Umgebung zusätzliche Attraktionen und touristische Höhepunkte, die Sie noch nie besucht haben, weil sie eben vor Ihrer Haustür liegen. Im Urlaub haben Sie Zeit, all diese Sehenswürdigkeiten einmal kennenzulernen, ohne sich dazu in die Menschenmassen eines Wochenendes stürzen zu müssen.

Wenn Sie aber in Urlaub fahren, dann denken Sie nicht nur an die richtige Preisklasse, sondern auch daran, was Ihnen erfahrungsgemäß guttut. Manche Menschen finden es ungeheuer erholsam, stundenlang in der brütenden Sonne am Strand zu liegen und sich nicht zu rühren. Anderen ist es lieber, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein und einen Dreitausender nach dem anderen zu erobern. Alles ist Geschmackssache. Doch auch hier ist es wichtig, einen vernünftigen Ausgleich zu schaffen. Wer Spaß an langen Sonnenbädern hat, sollte trotzdem zwischendurch einmal aufstehen, einige Ballspiele am Strand machen, Schwimmen gehen, Strandlauf machen oder irgendeinen Sport betreiben, damit Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung bleiben. Der passionierte Wanderer oder Bergsteiger dagegen sollte zwischendurch unbedingt immer wieder einmal rasten, alle viere von sich strecken und die schöne Natur genießen. Dem Körper tut Bewegung gut, aber auch die Seele braucht Erholung. Und die findet sie gerade beim Betrachten von Gottes freier Natur am allerbesten.