Über Jahrhunderte hinweg haben die Menschen immer wieder gerätselt, welche Aufgaben dem Schlaf eigentlich zukommen. Manche Dichter nannten ihn den „Bruder des Todes", andere sahen ihn als Gabe der Götter.
So manchem aktiven Menschen wäre es am liebsten, nie schlafen zu müssen, andere dagegen sind nicht aus den Federn zu kriegen. Fest steht, dass der Schlaf lebensnotwendig ist. Schon nach einigen Tagen des Schlafentzuges oder auch nur eines gestörten Schlafes zeigt sich, dass die Leistungskurve des Menschen enorm abnimmt und dass seine Anfälligkeit für Krankheit deutlich zunimmt.
Schlaf ist kein Zustand der Bewusstlosigkeit, sondern eine sehr aktive, vom Gehirn gesteuerte Leistung des Organismus. Schlaf hilft, Körper und Seele zu regenerieren, damit sie mit den Aufgaben des Tages besser fertig werden können.
Die Vorsorge für einen gesunden Schlaf fängt bereits mit einem entspannten Feierabend an. Ein leichtes Abendessen, nicht zu spät eingenommen, sorgt dafür, dass uns nicht ein gefüllter Magen am Einschlafen hindert. Aufregende Spiele oder Fernsehsendungen am Abend sollten Sie sich nicht zumuten.
Patienten, die an Einschlafstörungen leiden, berichten immer wieder, dass sie sich abends häufig aufregende Krimis im Fernsehen zu Gemüte führen. Der rechtzeitige Druck auf den Ausschaltknopf würde hier manchmal schon die Einschlafstörungen beheben können. Sind Konflikte aufgetreten, so sollte man sie nicht im Raum stehen lassen, sondern versuchen, sie noch vor dem Einschlafen zu lösen.
Die richtige Schlafzimmertemperatur
Alle haben wir schon beobachtet, dass verschiedene Menschen verschiedene Auffassungen von der richtigen Temperatur im Schlafzimmer haben. Manche mögen es mollig warm, und andere glauben nur schlafen zu können, wenn morgens Eisblumen die Fenster zieren. Manche möchten die Fenster geschlossen, andere brauchen auch im strengsten Winter frische Luft.
In dieser Frage gibt es kein richtig oder falsch, denn die Macht der Gewohnheit ist stärker, und jede Umstellung würde nur zu Stress führen. Sicherlich ist eine mittlere Temperatur von 16 Grad bis 18 Grad C vorteilhaft, weil sie einerseits nicht zum übermäßigen Schwitzen mit anschließendem Aufdecken und damit zur Erkältungsgefahr führt, andererseits aber auch jemanden, der gut zugedeckt ist, nicht frieren lässt.
Ein geöffnetes Fenster begünstigt die Sauerstoffzufuhr. Wer aber zugempfindlich ist oder an einer auch in der Nacht belebten Straße wohnt, hält besser das Fenster geschlossen. Ihm würden wir empfehlen, einige Stunden vor dem Einschlafen nochmals die Fenster aufzumachen und somit für eine gute Belüftung zu sorgen.
Das richtige Bett
Ob Sie lieber auf harten oder auf weichen Matratzen schlafen, ist Sache der Gewohnheit. Der Mittelweg dürfte auch hier am besten sein. Jedes Bett sollte einen Lattenrost besitzen, weil dieser eine allseitige Belüftung der Matratze ermöglicht. Dass das Bett nicht knarren und quietschen sollte, ist eine Selbstverständlichkeit, denn jedes Geräusch stört den Schlaf, auch wenn einem die Störung nicht bewusst wird.
Die Bettwäsche muss aus Naturstoffen, also vor allem aus Baumwolle sein, da nur solche Stoffe genügend luftdurchlässig und feuchtigkeitsaufsaugend sind. Ein zu schweres Deckbett, wie es früher oft üblich war, stört sicherlich die Atmung und hindert den Körper in seiner Bewegung.
Die richtige Entspannung vor dem Einschlafen
Um einschlafen zu können, müssen zunächst einmal alle äußeren Störquellen beseitigt werden, vor allem die Geräusche und Lichtreize. Fast noch wichtiger ist jedoch die Beseitigung der „inneren" Störquellen. Das gute Gewissen wird im Sprichwort zu Recht ein sanftes Ruhekissen genannt. Bohrende Zweifel, Gewissensbisse, Probleme, ungelöste Konflikte und Geheimnisse, die wir mit uns herumtragen, hindern sicherlich am Einschlafen.
Eine Aussprache mit dem Partner, das Lösen von Konflikten und Problemen, eine Versöhnung nach einem Streit sind dagegen außerordentlich schlaffördernd.
Besonders wichtig ist, dass man nicht glaubt, zwanghaft unbedingt einschlafen zu müssen. Besonders stressgeplagte Menschen verordnen sich oft den Schlaf, weil sie sich sagen: „Ich muss jetzt unbedingt schlafen, denn morgen mussen wir wieder ganz munter sein, um etwas leisten zu können." Solche selbst auferlegten Schlafzwänge sind der beste Weg zum Nicht-einschlafen-Können. So paradox es klingt: Viele Menschen können gerade deshalb nicht einschlafen, weil sie unbedingt einschlafen wollen.
Ich würde Ihnen für den Fall, dass Sie mal nicht einschlafen können, dagegen eher zu der Einstellung raten, dass dies kein Beinbruch ist und Sie ja notfalls auch mal ohne Nachtschlaf auskommen können. Stehen Sie in einem solchen Fall also auf, geben sich einer entspannenden Tätigkeit hin, lesen noch etwas oder gehen Sie gar noch etwas spazieren. Irgendwann kommt dann die nötige Bettschwere von selbst, die Sie einschlafen lässt.
Wenn man sich nach äußeren Stundenplänen statt nach der „inneren Uhr" richtet, legt man sich oft auch zum falschen Zeitpunkt zu Bett. Sie kennen dies ja bestimmt auch von Tagen, an denen Sie mal ganz früh aufstehen müssen. Sie legen sich dann einige Stunden früher hin und können nicht einschlafen, weil Sie noch nicht müde sind. Die Angst vor dem Verschlafen kommt noch dazu, und so kann es passieren, dass Sie die ganze Nacht wach liegen.
Natürlich gibt es auch einige altbewährte Tricks, die dazu beitragen können, den ersehnten Schlaf zu finden. Sehr wirkungsvoll ist eine dunkelblaue Glühbirne, die Sie anstelle der weißen Glühbirne in Ihre Nachttischlampe einschrauben. Lassen Sie das Licht dann über Nacht brennen, und Sie werden schon bald merken, wie das blaue Dämmerlicht Ihre Nerven beruhigt, Ihre Augen müde macht und Sie allmählich, ohne dass Sie es merken, selig einschlafen lässt.
Ein altbewährtes Rezept stammt von Pfarrer Kneipp, der schon zu seiner Zeit seinen schlafgestörten Patienten feuchtkalte Socken empfohlen hat. Ziehen Sie diese nassen Socken an und darüber ein Paar trockene Wollstrümpfe. Das Resultat dieser Prozedur sind dann warme Füße, die schnell zur Entspannung und zum besseren Einschlafen beitragen.
Immer wieder bewährt hat sich auch ein alter Trick, den viele schon in ihrer Kindheit erfolgreich angewandt haben: Dunkeln Sie, bevor Sie schlafen gehen, das Zimmer ab. Lassen Sie dann im Bett die Augen ganz weit offen. Schon bald werden Ihre Augen durch die Dunkelheit müde werden und schließlich zufallen wollen. Lassen Sie das jedoch nicht zu und machen Sie die Augen immer wieder auf. Dieses Spiel wird sich einige Male wiederholen, aber dann wird Ihr Körper den Kampf gegen Ihren Willen mit Sicherheit gewinnen. Das heißt, dass Sie schon bald so müde sein werden, dass Ihnen die Augen zufallen, ohne dass Sie es letztlich noch bemerken. Dann sind Sie eingeschlafen.
Schlaffördernde Naturheilmittel - schlaf störende „Schlafmittel"
Gerade nach dem Hinweis auf „Einschlaf-Tricks" möchten wir nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass tatsächlich Millionen von Menschen unter Schlafstörungen leiden und sich leider chemische Schlafmittel besorgen. Hiervor können wir gar nicht genug warnen. Diese chemischen Schlafmittel enthalten nicht nur schwer abbaubare Gifte und machen süchtig, sie sind darüber hinaus auch das beste Mittel, um nicht einschlafen zu können.
Ohne Übertreibung kann man daher sagen, dass die Ursache der meisten Schlafstörungen gerade die regelmäßige Einnahme von chemischen Schlafmitteln ist. Selbst wenn diese für Schlaf sorgen, so handelt es sich dabei nicht um einen erholsamen Schlaf, da das Gehirn weitgehend ausgeschaltet ist und es so nicht zur Verarbeitung der täglichen Erlebnisse und psychischer Probleme kommen kann, wie dies beim gesunden Schlaf der Fall ist. So folgen dem Gebrauch von Schlafmitteln meist erhöhte psychische Anfälligkeit und Stressanfälle, die dann zu erneuten Einschlafschwierigkeiten führen, so dass meist noch die Dosis erhöht und somit Sucht erzeugt wird.
Auch Alkohol stellt, wie weiter oben schon ausgeführt, kein harmloses Schlafmittel, sondern ein Zellgift dar. Es ist nichts gegen ein Gläschen Wein ab und zu mal am Abend zu sagen, aber dies sollte nicht zur Gewohnheit werden. Vor allem sollte man nie zum alkoholischen Getränk greifen, nur um einschlafen zu können.
Als natürliche Mittel zur Schlafförderung stehen uns eine Reihe wirksamer Kräutertees zur Verfügung. Baldrianwurzel, Hopfenblüten und Melissenblätter bilden vor allem die Grundlage dieser Tees.
Aber auch natürliche Mittel, die beim Einschlafen helfen, sollten nie zur Gewohnheit werden. Denn wenn man sich an etwas gewöhnt hat, wird man es irgendwann vermissen und kann vielleicht schon deshalb nicht einschlafen.
Auch Sex ist ein Naturheilmittel
Was könnte uns mehr und tiefere Entspannung bringen als ein liebevolles Zusammensein mit dem Partner oder der Partnerin vor dem Einschlafen? Körperliche Anspannung und Entspannung bilden einen Rhythmus, der dem einseitig anspannenden Dis-Stress des Tages entgegenwirkt. Dazu kommt ein Eustress durch die Freude am Zusammensein.
Freilich ist Sex nicht gleich Sex. Wo er zum Zwang wird, wo ein neuer Leistungsdruck im Bett entsteht, wo die Häufigkeit des sexuellen Zusammenseins eingeplant ist, ein Druck zum „Gelingen" da ist, kann Sexualität auch zur Quelle von Dis-Stress werden.
Manchmal gerät leider auch in Vergessenheit, dass Sexualität in vielfachen Formen ablaufen kann und nicht immer auf die gleiche zielgerichtete Weise. Ebenso wird oft vergessen, dass erst Zärtlichkeit und liebevolle Gefühle das wesentliche Fundament für eine befriedigende und entspannende Sexualität liefern.
Wie sehr eine befriedigende Sexualität dem Stress entgegenwirkt, zeigen alle statistischen Untersuchungen. Menschen, die in befriedigenden Beziehungen leben und entspannte sowie angstfreie Sexualität genießen können, leben gesünder und auch länger. „Singles" dagegen haben - zumindest statistisch - eine wesentlich kürzere Lebenserwartung und sind viel anfälliger für Krankheiten. Nicht unbeteiligt daran ist wohl der Dis-Stress, der durch die „Sehnsucht" und dauernde Suche nach einer erfüllten Partnerschaft entsteht und die „Singles" ständig im „Jagdfieber" hält.