Gymnastik löst Verspannungen
Kommen wir zurück zu Hund und Katze, die sich morgens nach dem Aufwachen erst einmal kräftig dehnen. Sie beseitigen damit die Muskelverspannungen, die durch das längere Liegen entstanden sind, die Muskeln werden wieder gebrauchsfähig gemacht. Besser kann dies Ziel erreicht und gleichzeitig die Muskulatur mit Sauerstoff versorgt und der Kreislauf in Gang gebracht werden, wenn Sie sich gleich nach dem Aufstehen zu einigen einfachen gymnastischen Lockerungsübungen entschließen können.
Aber bitte kein Pflichtprogramm nach dem Motto: von 6.30 Uhr bis 6.40 Uhr Gymnastik, sondern einfach nach Lust und Laune die Übungen absolvieren. Sommers wie winters sollten Sie dazu die Fenster öffnen, damit den Muskeln und Lungen genügend Sauerstoff zugeführt werden kann. Natürlich dürfen Sie die Übungen nicht in einengender Kleidung durchführen. Wenn es die Situation erlaubt, sollten Sie unbekleidet sein. Ansonsten empfehlen wir Ihnen lockere, nicht einengende Kleidung aus natürlichen Fasern.
Bei allen Übungen, die unten vorstellt werden, kommt es nicht auf sportliche Höchstleistungen an, sondern auf Lockerheit. Auch müssen Sie weder die Schnelligkeit noch die Dauer steigern wie bei einem Muskeltraining, sondern lediglich Lust und Laune dürfen den Ablauf der morgendlichen Gymnastik bestimmen.
Aus der Fülle der möglichen Übungen möchten wir nur ein paar wenige herausgreifen und Sie ansonsten auf im Handel erhältliche Bücher verweisen, die ausführliche bebilderte Beschreibungen gymnastischer Übungen enthalten.
Armkreisen
Stellen Sie sich mit leicht gespreizten Beinen an das offene Fenster. Das ist die Grundstellung für die meisten der folgenden Übungen.
Strecken Sie nun die Arme senkrecht nach oben und lassen Sie sie dann wie Windmühlenflügel gleichmäßig seitlich am Rumpf vorbeikreisen, so dass jeweils ein Arm in die Höhe ragt, der andere nach unten schwenkt. Nach etwa 10 bis 15 Umdrehungen wechseln Sie die Richtung. Die Arme kreisen nun nach hinten.
Bei einer anderen Armkreisübung werden die Arme zunächst waagerecht nach außen weggestreckt. Dann beschreiben Sie mit beiden Armen gleichzeitig immer größer werdende Kreise. Nach etwa zehn Umkreisungen werden die Kreise wieder kleiner.
Rumpfkreisen
Dazu nehmen Sie wieder die Grundstellung ein. Beide Arme in die Höhe strecken, und nun Arme und Oberkörper zugleich nach hinten und nach vorne kreisen lassen, ein paarmal linksherum, einige Male rechtsherum. Der Kopf sollte sich während der ganzen Übung zwischen den gestreckten Armen befinden.
Rumpfbeugen
Sie nehmen wiederum die Grundstellung ein und strecken anfangs die Arme in die Höhe. Nun beugen Sie Arme und Oberkörper nach vorne und versuchen, bei fast durchgestreckten Knien mit den Fingerspitzen den Fußboden zu berühren, wobei Sie mehrmals „nachwippen" können. Bei dieser Übung können Sie sehr gut verfolgen, wie Ihr Körper von Tag zu Tag gelenkiger wird.
Schulterübung
Sie stehen in der Grundstellung. Dann heben Sie beide Schultern gleichzeitig in die Höhe, halten sie kurz an und lassen sie wiederum fallen. Auch ein Schulterkreisen, abwechselnd vorwärts und rückwärts, ist eine nützliche und einfache Übung, die Ihnen hilft, Ihre Verspannungen zu lösen.
Nackenübung
Diese Übung hilft, Verspannungen der Hals- und oberen Rückenmuskulatur zu beseitigen. Sie stehen wiederum in Grundstellung. Dann verschränken Sie die Arme hinter dem Kopf und versuchen, den Kopf gegen den Widerstand der Arme nach hinten zu drücken. Mit dieser Übung sind wir bereits an die Grenze von Bewegungsübungen zu den sogenannten statischen, das heißt ohne Bewegung der Muskulatur ausgeführten Übungen gelangt. Diese „isometrischen Übungen" eignen sich besonders gut für die Entspannung während der Arbeitspausen.
Das Trockenbürsten
Hat die Gymnastik noch nicht für eine genügende Durchblutung Ihrer Haut und eine ausreichende Anregung des Kreislaufs gesorgt, dann, aber nicht nur dann, sollten Sie es mal mit dem sogenannten Trockenbürsten versuchen. Hierzu benötigen Sie eine Hautbürste mit langem Stil, mit der Sie ohne akrobatische Verrenkungen jede Stelle Ihres Rückens erreichen können.
Ein zusammengerolltes Handtuch kann ähnliche Dienste tun.
Beim Bürsten wird nach einem bestimmten Schema vorgegangen. Zuerst sollten Sie den rechten Arm, dann das rechte Bein, dann den linken Arm, dann das linke Bein immer in Richtung zum Herzen hin bürsten, bis eine leichte Hautrötung eintritt und ein Wärmegefühl zu verspüren ist. Danach führen Sie bitte kreisförmige Bewegungen auf dem Bauch aus, bis schließlich der Rücken folgt. Brust und Rücken werden immer von innen nach außen gebürstet.
Durch das Bürsten werden die Hautfunktionen angeregt, der Blutkreislauf in Schwung gebracht und damit die Giftstoffe, die sich über Nacht im Körper angesammelt haben, schneller abgeleitet. Nach dem Trockenbürsten sollten Sie Ihre Haut einölen, am besten mit einem dünnflüssigen Öl auf pflanzlicher Basis.
Noch ein Rat zum Schluss: Führen Sie das Trockenbürsten nie am Abend durch, denn es regt den Körper so an, dass ein unruhiger Schlaf die Folge wäre. Achten Sie bitte auch darauf, dass es sich um Trockenbürsten handelt, denn viele Menschen, die sich eine Hautbürste angeschafft haben, bürsten damit die noch feuchte Haut nach dem Waschen.
Kalt macht munter
Anstelle des Trockenbürstens können Sie nach der Morgengymnastik auch mit ein paar Kaltwasseranwendungen oder mit Wechselduschen fortfahren.
Wie dies geschehen kann und welche ausgezeichneten gesundheitlichen Wirkungen damit zu erzielen sind, hat uns vor mehr als hundert Jahren der schwäbische Pfarrer und Naturheilkundler Sebastian Kneipp gelehrt. Seine Wassertherapien haben zur Gesundung und Gesunderhaltung von Millionen von Menschen in aller Welt beigetragen. Obwohl Kneipp der moderne Zivilisationsstress noch unbekannt war, hat er uns ein Heilmittel an die Hand gegeben, auf das wir bei der Vorbeugung und Behandlung des Stresses nicht verzichten sollten.
Durch das kalte Wasser oder den Wechsel von warmem und kaltem Wasser wird unsere Haut besser durchblutet und eine wohltuende Wirkung auf Kreislauf und Nerven ausgeübt.
Die Kaltwasseranwendungen nach Kneipp verfahren im Allgemeinen nach genau festgelegten Schemen. Wer sich näher damit befassen will, möge sich eines der vielen Handbücher über die Kneippschen Behandlungsmethoden beschaffen. Wir wollen Sie hier nur mit einigen wenigen Grundregeln vertraut machen.
Zunächst gilt: Alle Kaltwasseranwendungen sollten nur durchgeführt werden, wenn der Körper bereits gut vorgewärmt ist. Nach dem Aufstehen bzw. der Morgengymnastik ist das ja meistens der Fall. Wenn Sie jedoch noch ein Frösteln verspüren, sollten Sie Ihren Körper erst mit heißem Wasser aufwärmen, bevor Sie ihn einem kalten Guss oder einer kalten Dusche aussetzen.
Die Zeitdauer für kalte Güsse bemisst sich danach, wie lange es dauert, bis eine Reizwirkung auf der Haut zu spüren ist, z.B. ein Wärmegefühl oder eine sichtbare Reizung.
Der Ort für die Verabreichung der kalten Güsse wird in der Regel die Badewanne sein. Auf den Wannenboden legt man am besten einen Rost, damit die Füße nicht längere Zeit im kalten Wasser stehen müssen.
Zum Gießen sollten Sie einen Wasserschlauch benutzen oder, wie zu Kneipps Zeiten, eine Gießkanne. Es ist jedoch auch die Verwendung eines Duschschlauchs möglich, wenn Sie vorher den Duschkopf abgeschraubt haben. Der Druck des Wassers sollte so eingestellt werden, dass bei senkrechtem Halten des Schlauchs das Wasser etwa fingerdick herausquillt. Nun gießt man so, dass das Wasser schräg auf die Haut auftrifft, wobei das Schlauchende etwa eine Handbreit vom Körper entfernt sein soll. Das Wasser soll die Haut nicht bespritzen, sondern sie gleichmäßig mit einem Wasserschleier umhüllen. Nach dem Guss sollten Sie die Haut nicht abtrocknen, sondern lediglich das Wasser mit den Händen abstreifen.
Während bei den Kaltwassergüssen das Wasser Leitungstemperatur aufweisen soll, erfolgt bei den Wechselgüssen und Wechselduschen ein Wechsel von kaltem und etwa 40 Grad warmem Wasser. Man beginnt stets mit dem warmen Duschen, das etwa 10 bis 20 Sekunden währen kann, und lässt dann 4 bis 6 Sekunden das kalte Wasser auf die Haut wirken. Danach folgt wiederum eine warme und zum Abschluss eine kalte Dusche. Sie können die Wechselduschen auf den ganzen Körper wirken lassen oder wie bei den Kneippschen Güssen nur einzelne Körperpartien behandeln.
Musik bringt gute Laune
Wenn Sie sich schon nach den kalten Anwendungen oder den Wechselduschen so richtig frisch und gut gelaunt fühlen, wird Sie beschwingte Musik während Ihrer Morgentoilette und beim Ankleiden noch mehr in Schwung bringen. Vorausgesetzt, Sie sind ein Typ, dem Musik Freude macht, und wohnen nicht mit jemandem zusammen, dem der Lärm auf die Nerven geht. Vielleicht haben Sie auch Spaß daran, mitzusingen oder mitzupfeifen, natürlich in einer Lautstärke, bei der Sie Ihren Mitmenschen nicht zur Last fallen. Das bringt gute Laune, die eine wichtige Voraussetzung dafür ist, nicht gleich von jedem stressauslösenden Reiz „getroffen" zu werden. Natürlich kann man Ihnen keinen Rat geben, welche Musik für Sie die richtige ist. Der eigene Geschmack ist dafür entscheidend.
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